
Zabola: Ein Gut, das bewohnt wird
Sechshundert Jahre in einer Familie, enteignet, zurückgegeben, wieder bezogen. In Transsilvanien zeigt Zabola, was ein Hotel wird, wenn die Besitzer nicht ausziehen.
Es gibt Hotels, die in alten Häusern wohnen, und es gibt Häuser, in denen die Familie noch da ist. Der Unterschied ist nicht der Stuck. Es ist, wer morgens am Tisch sitzt.
Zabola liegt am Rand der Karpaten, im Szeklerland, dem ungarischsprachigen Osten Transsilvaniens. Das Gut gehört den Mikes seit dem 15. Jahrhundert. 1949 wurde es enteignet, die Familie ging nach Österreich. Nach 1990 kam sie zurück, prozessierte, bekam es wieder — und zog ein.



Was man vorfindet
Ein Schlosspark von rund fünfzig Hektar, in dem das Neue Schloss aus dem frühen 20. Jahrhundert steht, das Maschinenhaus, das Alte Sattelhaus, das Gartenhaus. Dahinter über fünfhundert Hektar Wald und Wiesen. Ein Reitstall. Ein Jagdhaus, in dem man abends Wildschwein bekommt. Ein Versteck am Waldrand, von dem aus man Bären beobachtet — nicht inszeniert, sie kommen, wenn sie kommen.
Gäste schlafen in den Nebengebäuden, die zu Gästehäusern geworden sind, ohne ihre Funktion zu verstecken. Das Maschinenhaus hat noch das Maschinenhaus-Gefühl. Man isst, was der Garten und die Wälder hergeben. Es gibt ein Spa, weil Gäste eines erwarten, und es ist klein, weil niemand deswegen kommt.


Warum das zählt
Zabola ist kein Hotel, das ein Konzept hat. Es hat eine Familie, und die Familie hat Entscheidungen getroffen: Der Park wird nicht zum Golfplatz. Der Wald wird nicht verkauft. Die Bären werden nicht gefüttert. Die Zimmer werden nicht auf hundert erweitert, weil dreißig reichen.
Das ist die Art Haus, die wir meinen, wenn wir sagen, dass Häuser sich entscheiden. Nicht die Entscheidung für ein Design, sondern die gegen das, was den Ort zerstören würde.
Transsilvanien hat viele Herrenhäuser, die auf Investoren warten. Zabola hat keinen gebraucht.
Praktisch
Flug nach Brașov (eine Stunde Fahrt) oder Bukarest (drei). Fünf Nächte sind das Minimum, sonst lohnt die Anreise nicht. Beste Zeit: Juni zur Heumahd, September für Wald und Bären. Reiten und Bärenbeobachtung vorher anmelden.


